Hamburg verliert einen renommierten Orientalisten und 37.000 Bücher

Hamburg verliert einen renommierten Orientalisten und 37.000 Bücher

Nach monatelangen Querellen zwischen dem Deutschen Orient-Institut (DOI) und der Muttergesellschaft (Deutsche Orientstiftung) beendete der langjährige und international anerkannte Direktor des Orient-Instituts Prof. Dr. Udo Steinbach seine Tätigkeit im bisherigen Rahmen. Die Bibliothek des Orient-Instituts (eine der größten Spezialbibliotheken Deutschlands zum Nahen Osten) mit ca. 37.000 Büchern am Neuen Jungfernstieg wird aufgelöst. In einer Presseerklärung des GIGA (Nachfolger des DOI) heißt es: „Die Deutsche Orient-Stiftung hat bislang nicht erklärt, ob und wo die Bibliothek … wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird. Das GIGA German Institute of Global and Area Studies ist empört, wie die deutsche Orient-Stiftung mit dieser wissenschaftlich einzigartigen Sammlung von Fachliteratur zum Nahen Osten umgeht. Für den Wissenschaftsstandort Hamburg entsteht hierdurch ein großer Schaden.“

Hochschulexpertin der SPD-Bürgerschaftsfraktion Barbara Brüning kritisierte den Hamburger Senat, weil dieser  offenbar keine Initiative gezeigt hat, den Weggang Steinbachs zu verhindern.

 

 

Aus dem Brief von Prof. Dr. Udo Steinbach, Direktor des Deutschen Orient-Instituts (Hamburg)

 Lieber Herr Resasade,

Erst heute komme ich dazu, mich für die Übersendung der beiden Nummern von Barg-e Sabz zu bedanken. Ich glaube, diese Ihre Initiative war wirklich fällig: Auf der einen Seite werden unsere iranischen und iranischstämmigen Mitbürger in ihrer eigenen Sprache mit für ihr Leben hier nützlichen Informationen versorgt. Zum anderen wird ihnen auf diese Weise ein Wegweiser gegeben, sich in Deutschland zu integrieren, ohne ihre iranische Identität zu verlieren. Besonders eindrucksvoll ist die vehemente Abgrenzung gegen jede Form von religiöser Unduldsamkeit oder Vermischung von Religion und Politik. Halten Sie weiter diese Linie durch!

Ich hoffe, daß Sie diese Publikation trotz finanzieller Bürde weiterführen können. Dies dürfte in der Zeit leerer öffentlicher, aber auch angespannter privater Kassen nicht ganz leicht sein. Ich fürchte, dass über Werbung nur ein Teil der Unkosten hereinkommen kann. Sie selbst sind auch natürlich nicht unbegrenzt belastbar. Ich bin gespannt, wie Sie diese Schwierigkeiten begegnen. (….) Für heute wünsche ich Ihnen erst einmal weiterhin jeden guten Respons für Ihre so vielfältigen Tätigkeiten als Dolmetscher und Hamburger Bürger und verbleibe

Mit besten Grüßen

Ihr    

Udo Steinbach.

 

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